Es ist ratsam so früh wie möglich für das Alter vorzusorgen. Im Idealfall sammelst Du schon mit Ausbildung oder Studium Deine Rentenpunkte und bist dann durchgängig beschäftigt. Mit diesem Lebenslauf ist es gut und gerne möglich 45 Rentenpunkte anzusammeln und von der Altersarmut verschont zu bleiben.

Doch ist diese Anzahl an Rentenpunkten realistisch und wie setzt sich die Rente später einmal zusammen? Erfahre, wie hoch die durchschnittliche Anzahl an Rentenpunkten ist und erhalte eine Vorstellung davon, wie hoch Deine Rente sein wird.

Wie setzt sich die Rente zusammen?

Die Rente ist ein wichtiger Stützpfeiler des Deutschen Sozialsystems. Die gesetzliche Rentenversicherung geht auf Otto von Bismarck zurück, der ein staatliches Rentensystem aufbaute, von dem alle Bürger profitieren sollten. Damit sollte verhindert werden, dass der Lebensunterhalt im Alter nicht mehr bestritten werden kann.

Seit dieser Einführung hat sich einiges getan. So wurde die Wochenarbeitszeit von 60 Stunden auf ca. 40 Stunden reduziert und das Renteneintrittsalter von 70 Jahren auf regulär 65 Jahre gesenkt. Durch diese Änderungen und der Bevölkerungsentwicklung sind die Kosten für das Rentensystem förmlich explodiert. Zwar wird gerne der Ausspruch „die Renten sind sicher“ von Norbert Blüm herangezogen, um das Vertrauen in das Rentensystem zu stärken, doch es ist gilt immer mehr Leistungsempfängern, geringeren Beitragszahlern gegenüberzustellen. Damit besteht die begründete Angst, dass im Alter die Rente kaum mehr zum Leben ausreichen wird. Doch wie berechnet sich diese eigentlich?

Für die Berechnung der Rentenhöhe ergibt sich die folgende Formel:

Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x Rentenartfaktor x aktueller Rentenwert

Damit gibt es insgesamt 4 Faktoren, die einen Einfluss auf Deine spätere Rente besitzen. Doch wobei handelt es sich dabei konkret und wie lassen sich diese zum Positiven beeinflussen?

Entgeltpunkte

Die Entgeltpunkte oder auch Rentenpunkte genannt, bezeichnen die Punkte, die ein Arbeitnehmer im Laufe seines Berufslebens ansammelt. Jedes Jahr wird dafür sein Durchschnittseinkommen hinzugezogen und mit dem Durchschnittseinkommen der Versicherten verglichen. Ist das Durchschnittseinkommen des Arbeitnehmers gleich hoch wie das Durchschnittseinkommen der Versicherten, erhält er genau 1 Rentenpunkt.

Je höher das Einkommen, desto höher auch die Rentenpunkte. Damit wird Rechnung getragen, dass auch die Beiträge zur Rentenversicherung steigen. Die Rentenbeiträge sind bis zu einem gewissen Betrag gedeckelt. Die Beitragsbemessungsgrenze beträgt in Westdeutschland 80.400 Euro. Im Osten ist die Grenze etwas niedriger, hier gilt ein Wert von 73.800 Euro.

Aufgrund dieser Grenzen ergibt sich eine maximale Anzahl von etwas mehr 2 Rentenpunkte im Jahr. Wer also durchgängig über ein hohes Einkommen verfügt, wird mehr Rentenpunkte ansammeln und im Alter eine höhere Rente erhalten.

Zur Angleichung des Niveaus im Westen und Osten wird das Einkommen in den ostdeutschen Bundesländern mit dem Faktor 1,084 multipliziert. Damit wird dem etwas geringeren Lohnniveau Rechnung getragen.

Zugangsfaktor

Das gesetzliche Eintrittsalter in die Rente liegt bei 65 Jahren. Es ist aber auch möglich schon mit 60 Jahren in die Rente zu gehen oder umgekehrt, sogar noch länger im Arbeitsleben zu stehen.

Bei einem Eintritt im Alter von 65 Jahren gilt ein Zugangsfaktor von 1. Dies entspricht der üblichen Rente ohne Abzüge. Wer sich hingegen dafür entscheidet mit 60 Jahren die Rente in Anspruch zu nehmen, muss Abschläge hinnehmen. Hier gilt ein ZF von 0,82. Erfolgt der Eintritt in die Rente hingegen erst mit 70 Jahren, entspricht dies einem Zugangsfaktor von 1,3. Damit ist also eine wesentlich höhere Rente möglich.

Rentenartfaktor

Es gibt eine Reihe von unterschiedlichen Rentenarten. Wenn von der „Rente“ gesprochen wird, ist damit in den meisten Fällen die Altersrente gemeint. Diese besitzt einen Rentenartfaktor von 1. Die Altersrente gilt als Ersatz für das Arbeitseinkommen und soll es dem Rentner erlauben, nur von diesem Einkommen zu leben.

Anders sieht es etwa bei einer Rente mit teilweiser Erwerbsminderung aus. Hier wird ein Rentenartfaktor von 0,5 angenommen. Hierbei wird zugrunde gelegt, dass noch ein weiteres Einkommen erzielt werden kann und daher die Rente nur als zusätzliche Unterstützung anzusehen ist.

Zudem gibt es noch weitere Ausprägungen der Witwenrente und Waisenrenten. Auch eine Erziehungsrente oder die Rente wegen Berufsunfähigkeit beeinflussen den Rentenartfaktor.

Aktuelle Rentenwert

Der Wert des einzelnen Rentenpunkts wird jedes Jahr neu berechnet. Damit wird etwa die Inflation ausgeglichen und die Rente an das aktuelle Wirtschaftsniveau angepasst. Steigt das Arbeitseinkommen, spiegelt sich dies auch im Rentenwert wider. Allerdings geschieht dieser Anstieg etwas langsamer.

Der Rentenwert unterscheidet sich zudem von West- und Ostdeutschland. Während in Westdeutschland jeder Punkt 33,05 Euro wert ist, ist dieser im Osten gut mehr als 1 Euro weniger wertvoll. Dort beträgt der Rentenwert 31,88 Euro.

Beispielrechnung der Rentenpunkte

Anhand der vorangegangenen Faktoren lässt sich relativ simpel die Rente berechnen. Zumindest falls alle Entgeltpunkte bekannt sind. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass nicht nur die Arbeitsjahre zählen, sondern auch die Ausbildung und das Studium angerechnet werden. Durch diese Sonderregelungen kann es auf den ersten Blick schwerfallen, den Überblick zu behalten.

Für den Beispielfall werden folgende Faktoren angenommen.

Ein Arbeitnehmer geht in den Altersruhestand mit einer Anzahl von 42 Entgeltpunkten. Er bezieht eine eine übliche Vollrente und geht im Alter von 65 Jahren in den Ruhestand.

Ausgehend von einem Rentenwert von 33,05 Euro ergibt sich daraus eine monatliche gesetzliche Rente von 1388 Euro.

Zu beachten ist, dass dieses Geld der Einkommensteuer unterliegt. Es handelt sich also nicht um einen reinen Netto-Betrag, sondern es fallen noch Abzüge an. Jedoch muss zunächst nicht der volle Betrag versteuert werden. Wer etwa im Jahre 2020 in die Rente geht, erhält 20 Prozent der Rente steuerfrei. Nur die restlichen 80 Prozent unterliegen der Einkommensteuer. Dieser Freibetrag wird jedes Jahr um einen Prozentpunkt gesenkt, sodass beim Renteneintritt im Jahr 2040 die komplette Rente steuerpflichtig ist.

Wie hoch ist die durchschnittliche Rente?

Die durchschnittliche Altersrente betrug im Jahr 2018 rund 906 Euro. Dabei verdienten Männer mit einem Betrag von 1.148 Euro wesentlich mehr als Frauen, die nur auf einen Schnitt von 711 Euro kommen. Dies liegt vor allem an der geringeren Arbeitszeit der Frauen, die häufiger als Hausfrauen tätig und für die Kindererziehung zuständig waren.

Anhand des Rentenwertes von 32,03 Euro im Westen lässt sich die durchschnittliche Anzahl an Rentenpunkten berechnen. Wird angenommen, dass die Personen im Schnitt mit 65 Jahren die Rente beanspruchen, kann daraus abgeleitet werden, dass Männer über rund 1.148/32,03 = 35,8 Rentenpunkte verfügen. Frauen kommen demnach nur auf eine Anzahl von 22,2 Rentenpunkten.

Dies sollte Dir als Orientierung dienen, um selber zu erfahren, wie hoch Deine Rente sein wird. Arbeitest Du rund 35 Jahre und befindest Dich im durchschnittlichen Lohnbereich, wirst Du ca. 35 Rentenpunkte ansammeln. Damit wäre zum heutigen Stand eine Rente von knapp 1.150 Euro möglich.

Rentenpunkte
Wer lange Zeit im Berufsleben stand und ein Durchschnittseinkommen erzielt, wird ca. 35 Rentenpunkte ansammeln

Bist Du noch im jüngeren Alter, wird sich dieser Wert bis zum Renteneintritt verändern. Es ist aber kaum absehbar, ob die Rentenerhöhungen in Zukunft noch die Inflation übertreffen werden. Damit sollte Dir bewusst werden, dass die Rente zur Deckung der Lebenshaltungskosten kaum ausreicht.

Um später nicht von der Altersarmut betroffen zu sein, musst Du entweder privat vorsorgen oder Deinen Lebensstandard drastisch senken. Erwarte Dir aber nicht zu viel vom gesetzlichen Anspruch. Selbst wenn Du die üblichen 35 Rentenpunkte erreichst, wird das Einkommen kaum zum Lebensunterhalt reichen.

Wie viele Rentenpunkte werden durchschnittliche angesammelt?

Anhand der Rentenhöhe wurde beispielhaft aufgezeigt, wie viele Rentenpunkte beim Renteneintritt durchschnittlich vorhanden sind. Demnach kommen Männer auf 35 Rentenpunkte und Frauen auf 22 Rentenpunkte.

In dieser Betrachtung nicht berücksichtigt ist allerdings die Möglichkeit bereits früher in die Rente einzutreten. Da dort die Abzüge beim Renteneinkommen bestehen, wird die durchschnittliche Zahl der Rentenpunkte in der Praxis womöglich höher liegen. Eine genaue Antwort, wie viel Rentenpunkte normal sind, ist daher schwer zu formulieren.

Im Bereich von 35 Rentenpunkte wirst Du aber eine durchschnittliche Rente beziehen können.