Tiefe Wunden und Verletzungen möchtest Du so gut es geht vermeiden. Doch es gehört zum Risiko des Lebens dazu, dass Du Dich beim Kochen schneidest oder beim Sport eine Wunde entsteht, die genäht werden muss. Auch nach Operationen werden regelmäßig Fäden benötigt, um das Gewebe zu schließen und die Wundheilung zu ermöglichen.

Nach gut 7 bis 14 Tagen werden die Fäden wieder gezogen. Dies mag sich schmerzhaft anhören, ist in der Realität aber nur mit einem kleinen Ziepen vergleichbar.

Doch wie wird eigentlich eine Wunde versorgt, die im Inneren des Körpers liegt? Hierfür gibt es selbstauflösende Fäden, die nicht mehr gezogen werden müssen. Erfahre, wie diese speziellen Fäden funktionieren und wie sie sich auflösen.

Wofür werden Fäden eingesetzt?

Das Nähen ist eine traditionelle Form der Wundschließung. Für gewöhnlich besitzt der Körper die Möglichkeit kleinere Wunden selber zu verschließen. Hier wird als zusätzlich Schutz ein Pflaster aufgetragen und nach einer kleinen Wartezeit ist die Verletzung von selber verheilt.

In manchen Fällen sind die Selbstheilungskräfte des Körpers nicht ausreichend, um eine Wunde problemlos zu schließen. Zwar heilen selbst tiefere Wunden nach einer längeren Zeit ab, aber das entstehende Narbengewebe kann zu Problemen führen. Der Bereich wird weniger beweglich sein und schlechter durchblutet. Liegt die Verletzung in der Nähe eines Gelenks, ist dies besonders nachteilig, da die Bewegungsfähigkeit eingeschränkt ist.

Um die Bildung, des Narbengewebes zu minimieren, wird die Wunde über den Faden geschlossen. Die Haut liegt enger beieinander und es wird weniger Narbengewebe gebildet.

Ein weiterer Vorteil ist, dass das Infektionsrisiko geringer ist. Die Wunde ist verschlossen und die Gefahr, dass Keime und Bakterien eindringen geringer. Damit wird die Heilung insgesamt verbessert und das Risiko einer Störung reduziert.

Das Nähen gilt mittlerweile als eine Grundversorgung und ist aus der Medizin kaum mehr hinwegzudenken. Mit einer Nadel und entsprechenden Faden werden die Stiche gesetzt und die Wunde versorgt.

Wie funktionieren selbstauflösende Fäden?

Nicht immer ist es möglich Fäden zu ziehen. Da diese aber auch nicht dauerhaft im Körper verbleiben sollen, werden selbstauflösende Fäden verwendet. Der Vorteil liegt hierbei, dass das Material vom Körper nach und nach abgebaut wird. Nach einer gewissen Dauer sind die Fäden komplett aufgelöst.

Der Nachteil bei dieser Art der Fäden ist, dass sie von Beginn an Festigkeit verlieren. Das Material wird schwächer und damit wird die Wunde weniger stark zusammengehalten. Daher ist es notwendig, dass ein guter Fortschritt bei der Wundheilung vorliegt, um die fehlende Festigkeit zu kompensieren. Andernfalls könnte es vorkommen, dass die Wunde sich wieder öffnet und es zu Komplikationen kommt.

Ermöglicht wird der Einsatz von selbstauflösenden Fäden durch das spezielle Nahtmaterial. Verwendet werden hauptsächlich auflösbare Polymere. Diese sind biologisch abbaubar und nach einer Weile hat der Körper diese komplett aufgelöst. Die Fäden lösen sich also nicht nur in Verbindung mit Wasser auf, sondern der Körper ist direkt an dem Abbau beteiligt.

Verwendet werden Fäden basierend auf u. a. den folgenden Polymeren:

  • Polyglykolsäure
  • Polydioxanon

In welchen Fällen werden selbstauflösende Fäden verwendet?

Selbstauflösende Fäden werden immer dann eingesetzt, wenn der Einsatz herkömmlicher Fäden erschwert ist. Normalerweise wird probiert mit stabilen Fäden eine Wunde zu verschließen, da diese eine höhere Festigkeit aufweisen und ein besseres Ergebnis liefern. Nicht immer ist es jedoch möglich, diese stabilen Fäden einzusetzen.

Bei Operationen an inneren Organen ist eine ordentliche Wundschließung für einen optimalen Heilungsverlauf notwendig. Würden feste Fäden eingesetzt, müssten diese nach einer gewissen Zeit wieder entnommen werden. Dies wäre nur mittels einer weiteren Operation möglich, in welcher eine erneute Operationsnarbe entsteht. Um den Körper nicht zusätzlich zu belasten werden daher selbstauflösende Fäden eingesetzt. Damit entfällt das Ziehen und ein weiterer Eingriff ist nicht notwendig.

Ist das Ziehen der Fäden mit einem hohen Aufwand verbunden und nur mit einem chirurgischen Eingriff möglich, wird daher lieber auf die selbstauflösende Variante gesetzt. Diese ist für den Patienten wesentlich verträglicher und eine weitere Operation wird vermieden.

Gleiches gilt auch, wenn die Operation an sehr empfindlichen oder schwer zugänglichen Bereichen durchgeführt wird. Dies ist zum Beispiel in der Zahnmedizin oder der Augenheilkunde der Fall. Das Ziehen der Fäden am Auge oder im Mund wäre mit einem hohen Aufwand verbunden. Diese Bereiche sind nur schwer zu erreichen und daher wird lieber darauf verzichtet, die stabilen Fäden zu verwenden.

Liegt die Wunde sehr tief, kann ebenfalls der Einsatz der selbstauflösenden Nähte vorteilhaft sein. Bei tiefen Muskelverletzungen werden diese daher verwendet.

Wie lange benötigen die Fäden, um sich aufzulösen?

Die Wundheilung ist sehr individuell und hängt von der Körperregion, der Art und der Verfassung des Betroffenen ab. Daher gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Fäden, die jeweils schneller oder langsamer vom Körper aufgelöst werden.

Zur Einordnung werden die Begriffe der Resorptionszeit und der Auflösezeit verwendet. Die Resoprtionszeit gibt an, nach wie viel Tagen der Fäden an 50% der Festigkeit eingebüßt hat. Die Auflösezeit zeigt an, ab wann der Faden komplett abgebaut ist.

In Körperregionen, die schnell verheilen, werden selbstauflösende Fäden verwendet, die über eine Resorptionszeit von 5 Tagen verfügen und nach ca. 40 Tagen komplett verschwunden sind. Dies ist zum Beispiel bei Hautverletzungen der Fall. Diese heilen relativ schnell und eine hohe Festigkeit des Fadens ist nicht notwendig.

Langsamer läuft die Wundheilung an den inneren Organen ab. Nach Operationen im Magen-Darm Bereich werden Fäden eingesetzt, deren Resorptionszeit 7 Tage beträgt und welche sich nach rund 90 bis 120 Tagen komplett aufgelöst haben. Es ist also eine etwas höhere Stabilität notwendig.

Am langsamsten verheilen Wunden an Bänder und Sehnen. Diese sind nur sehr schwach durchblutet und dementsprechend müssen festere Fäden genutzt werden. Auch empfindliche Bereiche, wie Blutgefäße werden lieber mit langsam resorbierenden Fäden ausgestattet. Hierbei ist eine höhere Stabilität notwendig, damit die Wunde optimal verheilt. Die Resorptionszeit beträgt nun beachtliche 40 Tage. Es dauert also mehr als einen Monat, bis die Fäden nur noch halb so stabil sind als zu Beginn. Vollkommen aufgelöst sind sie nach 180 bis 240 Tagen.

Im Detail gibt es die unterschiedlichsten Ausführungen der selbstauflösenden Fäden am Markt. Diese unterscheiden sich nicht nur in der Stabilität, sondern auch der Gestaltung. Sie können etwa mit Widerhaken ausgestattet sein, um eine höhere Zugkraft aufzubringen oder aus mehreren Einzelfäden bestehen, damit sie reißfester sind. Damit sind selbstauflösende Fäden im Grundaufbau ähnlich stabil und widerstandsfähig wie konventionelle Materialien.

Dennoch ist der Einsatz der selbstauflösenden Fäden nicht überall möglich. Selbst die stabilsten Varianten verlieren von Beginn an ihre Stabilität. Daher sind sie nicht geeignet, um tiefe Verletzungen an Gelenken zu versorgen. Dort ist eine höhere Gewebefestigkeit notwendig, welche nicht durch das resorbierende Material gewährleistet wird.

Die Einführung der resorbierbaren Fäden hat aber in einigen Fällen zu einer deutlichen Verbesserung der Wundheilung geführt und ein weiterer Eingriff wird vermieden. Dies ist für den Patienten deutlich angenehmer und der Genesungsprozess beschleunigt.