Wer kennt nicht das Vorurteil, dass Studenten sich bereits im 20. Semester befinden und erst spät in den Tag starten, um nur herumzugammeln und nichts Produktives zu tun? Dieses Bild vom faulen Studenten hält sich hartnäckig und war in Teilen in der Vergangenheit vielleicht auch zutreffend.

Mit der Bologna-Reform hat sich jedoch Einiges getan. Die Regelstudienzeit wird als wichtiger Maßstab genommen, um die Leistungen während des Studiums zu beurteilen. Wer zu lange zum Studieren benötigt, drohen sogar Konsequenzen. Vorbei sind die Zeiten, in denen das Studium ganz nach Belieben durchlaufen werden konnte.

Doch was beschreibt die Regelstudienzeit und als wie wichtig wird diese heutzutage wahrgenommen?

Was ist die Regelstudienzeit?

Die Regelstudienzeit beschreibt, nach welcher Dauer das Vollzeitstudium optimalerweise beendet sein sollte. Damit wird zugleich die Garantie gegeben, dass Studenten innerhalb dieser Zeit auf jeden Fall das Angebot Ihres Studienganges nutzen können. Es besteht also nicht die Gefahr, dass bestimmte Module, die im Lehrplan vorgesehen sind, nicht mehr gelehrt werden.

Wie lange die Regelstudienzeit ist, hängt vom Studiengang und der jeweiligen Prüfungsordnung ab. Mit Einführung des Bachelor-Abschlusses liegt die Regelstudienzeit dort üblicherweise bei 6 Semestern. Das Studium wird also idealerweise nach 3 Jahren erfolgreich beendet worden sein.

Dies stellt jedoch nur einen groben Richtwert dar. Je nach Universität kann sich die Regelstudienzeit unterscheiden. Fachhochschulen geben für den Bachelor-Abschluss oftmals eine Dauer von 8 Semestern an. Damit bleibt den Studenten dort mehr Zeit, um den Abschluss zu erhalten.

Ein Master-Studiengang dauert etwas kürzer. Hier liegen die Angaben zwischen 2 und 4 Semestern, bis der Abschluss erreicht wird. Die Dauer des Bachelor-Studiums einbezogen wird der Master-Abschluss nach gut 10 Semestern erlangt.

Was passiert, wenn Du die Regelstudienzeit überschreitest?

Die Regelstudienzeit gibt nur den Optimalfall an. Die Praxis sieht hingegen anders aus und das Studium etwas in die Länge zu ziehen ist keine Seltenheit. Vorne liegen hier etwa die Geisteswissenschaftlicher, bei denen knapp die Hälfte der Studierenden den Bachelor-Abschluss nicht innerhalb der Regelstudienzeit erlangen. Beim Master-Abschluss sind die Ausreißer hingegen nicht ganz so stark und knapp ein Drittel schafft es nicht, diesen innerhalb der Regelstudienzeit zu beenden. Es zeigen sich also Lerneffekte und wer den Bachelor absolviert hat, wird mit dieser Erfahrung den Master zügiger beenden.

Etwas länger zu brauchen stellt in den meisten Fällen kein Problem dar. Viele Studierende benötigen 1-2 Semester länger. Gründe dafür sind etwa Auslandssemester oder Praktika, die während des Studiums absolviert werden. Damit ist klar, dass die Prüfungsleistungen nicht sofort erbracht werden, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Kritisch wird es meist, wenn die Regelstudienzeit um mehr als 4 Semester überschritten wird. Im schlimmsten Fall droht die Zwangsexmatrikulation und das Studium kann an dieser Universität nicht mehr beendet werden.

Mit der Bologna-Reform sollte die Zahl der Langzeitstudenten deutlich reduziert werden mit dem Ziel, dass mehr Kapazitäten zur Verfügung stehen. Daher sind in den Prüfungsordnungen Konsequenzen verankert und es wird angestrebt, dass Studenten Ihr Studium ohne Verzögerungen abschließen.

Weshalb kann sich das Studium in die Länge ziehen?

Dass ein Studium innerhalb der Regelstudienzeit nicht abgeschlossen wird, muss noch nicht negativ sein. Es gibt einige gute Gründe, weshalb ein Student noch 1 oder 2 Semester dranhängt.

Auslandssemester

Das Studium soll nicht nur eine fachliche Bildung darstellen. Auch persönlich möchten neue Erfahrungen und Eindrücke gewonnen werden. Das Studium bietet hierfür mit dem Auslandssemester eine gute Möglichkeit, um einen Einblick in eine andere Universität und Kultur zu erhalten.

Auf diese Weise können Sprachkenntnisse vertieft und der eigene Horizont erweitert werden. Daher wird das Auslandssemester von den meisten Arbeitgebern als positiv aufgenommen. Es beweist, dass der Studierende über eine gewisse Selbstständigkeit verfügt und gegenüber Veränderungen aufgeschlossen ist. Wer sein Studium aufgrund eines Auslandssemesters überzieht, muss also nicht mit schlechteren Chancen auf dem Arbeitsmarkt rechnen. In vielen Unternehmen wird das Auslandssemester positiv bewertet und dies bei der Studiumsdauer berücksichtigt.

Praktikum

Beim Einstieg in das Berufsleben verlangen die meisten Unternehmen, dass Studenten bereits einen Einblick in das jeweilige Berufsfeld erlangt haben. Dies geht nur, indem während des Studiums Praktika durchgeführt werden.

Damit diese sinnvoll erscheinen und ein tiefgründiger Einblick in ein Unternehmen gewonnen werden kann, dauern die Praktika meist ein ganzes Semester. Damit wird auch das Studium in die Länge gezogen.

Universitäten verlangen von den Studenten zudem gewisse Pflichtpraktika. Diese lassen sich nicht immer in die vorlesungsfreie Zeit hineinlegen, sondern müssen während des Semesters ausgeführt werden.

Nebenjob

Erhältst Du während des Studiums keine finanzielle Unterstützung und musst selber für Deinen Lebensunterhalt aufkommen, kann dies die Leistungen beeinträchtigen. Es bleibt schlichtweg nicht mehr so viel Zeit zum Lernen übrig und damit es nicht verwunderlich, dass das Studium mal 1 oder 2 Semester länger dauert.

Von Arbeitgebern wird dies aber nicht als Makel empfunden. Diese werden in der Regel Verständnis dafür aufbringen und den Ehrgeiz würdigen, den Lebensunterhalt selber bestritten zu haben. Zudem zeigt der Nebenjob, dass wichtige Praxiserfahrung gewonnen werden konnte. Selbst wenn es sich um eine ferne Tätigkeit, wie dem beliebten Kellnern handelt, kann zum Beispiel die Teamfähigkeit unter Beweis gestellt werden.

Was für Konsequenzen drohen?

Die Regelstudienzeit kann also aufgrund einiger Gründe überzogen werden. Welche Konsequenzen resultieren aus dem Überschreiten der Regelstudienzeit?

Einschränkung des BAföG

Das BAföG steht Studenten grundsätzlich nur während der Regelstudienzeit zu. Wer länger benötigt verliert seinen Anspruch auf die Förderung. Unter Angabe eines schwerwiegenden Grundes lässt sich aber auch eine Verlängerung erreichen, mit der das BAföG auch über der Regelstudienzeit hinaus bezahlt wird.

Hast Du während des Studiums unter einer schweren Krankheit gelitten oder einen Unfall gehabt, wird dies als Grund für die Verlängerung des BAföGs akzeptiert. Dann war während dieser Krankheitsdauer es nicht möglich das Studium fortzuführen und das Überschreiten der Regelstudienzeit absehbar.

Auch die Schwangerschaft oder Kindererziehung gelten als wichtige Gründe. Als Elternteil musst Du keine Sorge haben, dass aufgrund der Mehrbelastung durch die Kinder das BAföG wegfällt. Die Erziehung der Kinder wird als schwerwiegender Grund anerkannt.

Das Absolvieren eines Auslandssemesters wird ebenfalls als Grund anerkannt. Zu beachten ist hierbei, dass nur die tatsächlich im Ausland verbrachte Zeit an die Regelstudienzeit gehängt wird. Warst Du für 4 Monate im Ausland, erhältst Du also über 4 Monate hinaus weiterhin Deine Förderung.

Selbst wenn sich das Studium aufgrund nicht bestandener Prüfungen in die Länge zieht, kann dies als Grund für eine Verlängerung des BAföGs anerkannt werden. Dies ist oft der Fall, falls Du kurz vor dem Abschluss Deines Studiums stehst und nur noch wenige Prüfungen absolviert werden müssen.

Semestergebühren

Mit jedem Semester, welches Du an der Universität eingeschrieben bist, musst Du die Semestergebühren entrichten. Dauert Dein Studium länger, steigt die finanzielle Belastung. Zudem sehen manche Universitäten eine zusätzliche Gebühr vor, falls die Regelstudienzeit um mehr als 4 Semester überzogen wurde. Dann beginnt der Status des Langzeitstudenten und es werden höhere Beiträge fällig. Aus finanzieller Sicht ist es also hilfreich, das Studium so schnell wie möglich zu beenden.

Zwangsexmatrikulation

Dauert Dein Studium wesentlich länger als vorgesehen, kann die Zwangsexmatrikulation vorgesehen sein. Wann diese eintritt, wird in den jeweiligen Prüfungsordnungen festgeschrieben. Meist droht die Zwangsexmatrikulation aber erst, falls die Regelstudienzeit um mehr als 4 Semester überschritten wurde. Können wichtige Gründe angeführt werden, wird in der Regel von der Zwangsexmatrikulation abgesehen und Du kannst Dein Studium fortführen. Mache Dich in der Prüfungsordnung schlau, ob eine maximale Studiendauer vorgesehen ist.

Fazit

Die Regelstudienzeit gibt an, wie lange ein Studium für gewöhnlich dauern sollte. Zugrunde gelegt wird hierfür ein Arbeitsaufwand von 40 Stunden die Woche für ein Vollzeitstudium. Wer sich also sorgsam seinem Studium widmet, wird dieses im Optimalfall innerhalb der Regelstudienzeit absolvieren.

Das Studium dient aber nicht nur dem Erlangen der Fachkenntnisse. Auch Praxiserfahrung und die persönliche Entwicklung sind Bestandteil dieses Lebensabschnittes. Daher ist das Überschreiten der Regelstudienzeit von 1 bis 2 Semestern kein negatives Merkmal.

Nimm Dir die Zeit im Studium, um neue Erfahrungen zu gewinnen, die Sprachkenntnisse zu vertiefen und etwas von der Welt zu entdecken. Im Berufsleben wirst Du diese Zeit kaum mehr finden. Habe also keine Angst davor das Studium etwas zu verlängern. Aus persönlicher und beruflicher Sicht wird dies ein Gewinn sein, insofern Du die Zeit sinnvoll nutzt.