Der Alkohol ist in der Mitte der Gesellschaft verankert. Kaum eine Feierlichkeit kommt ohne Alkohol aus und das Bier nach einem anstrengenden Arbeitstag gehört für manche Personen zum Abendausklang einfach dazu. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass der Alkohol ein Nervengift und in jeder Konzentration schädlich für den Körper ist.

Die Grenzen zur Alkoholsucht sind fließend und eine Abhängigkeit wird von den Betroffenen kaum wahrgenommen. Nicht jeder Suchterkrankte geht mit der Alkoholsucht gleich um. Es gibt unterschiedliche Typen, unter denen sich auch der funktionale Alkoholiker befindet.

Wie wird der funktionale Alkoholiker beschrieben und wie kannst Du Ihn erkennen?

Alkoholismus

Alkoholismus
Der Alkoholismus äußert sich in verschiedenen Formen

Der Alkohol ist ein fester Bestandteil der Gesellschaft. Deshalb ist es nicht immer einfach von einer Suchterkrankung im Zusammenhang mit dem Alkohol zu sprechen. Ein Bier am Wochenende bedeutet nicht automatisch, dass jemand als Alkoholiker gilt. Doch die Grenzen sind wahrscheinlich viel enger gesteckt als oftmals angenommen wird und die Menge ist nur ein bedingter Indikator dafür, ob ein Alkoholismus vorliegt.

Eines der größten Anzeichen für die Suchterkrankung ist das starke Verlangen nach dem Alkohol. Betroffene können sich ein Leben ohne Alkohol nicht mehr vorstellen und es wird alles versucht, um das Bedürfnis zu befriedigen. Hierbei steht definitiv nicht der Genuss im Vordergrund, sondern nur die Suchtbefriedigung. Im Extremfall kann dies so weit gehen, dass Parfüm oder andere Mittel getrunken werden, die Alkohol enthalten.

Ein weiteres Zeichen für die vorliegende Erkrankung ist die fehlende Kontrolle. Am Wochenende sich mit Freunden zu treffen und dort ein, zwei Bier zu trinken gehört für viele Personen zu einem schönen Abend dazu. Problematisch wird es jedoch, wenn das Trinkverhalten nicht mehr kontrollierbar ist. Es bleibt nicht nur bei den zwei Bier, sondern es wird hemmungslos getrunken. Oftmals ist erst Schluss, wenn die Wirkung des Alkohols so stark ist, dass ein selbstständiges Trinken nicht mehr möglich ist.

Der regelmäßige Konsum des Alkohols führt dazu, dass die Betroffenen eine immer größere Menge an Alkohol vertragen. Die berauschende Wirkung tritt erst viel später ein und es wird mehr Alkohol benötigt. Im Vergleich zu Nicht-Alkoholikern vertragen Alkoholiker wesentlich höhere Alkoholmengen. Die Einschränkungen sind selbst in höheren Promille-Bereichen noch verhältnismäßig gering. Nicht zu verwechseln ist dies aber damit, dass der Alkohol weniger schädlich ist. Die getrunkene Menge an Alkohol ist weiterhin gefährlich für den Körper. Die Auswirkungen sind nur unmittelbar weniger spürbar.

Ist der Alkohol der Mittelpunkt des Lebens, ist die Suchterkrankung ganz offensichtlich. Andere Interessen werden vernachlässigt und der Alltag wird kaum mehr bewältigt. Die Familie tritt in den Hintergrund, das Ausführen des Berufs ist nicht möglich und es dreht sich alles nur noch um den Alkohol. Dann ist der Alkoholismus nicht mehr zu leugnen.

Anhand der vorherigen Hinweise lässt sich der Alkoholismus diagnostizieren. Bezüglich der Menge bestehen starke negative Auswirkungen auf die Lebenserwartung. Wer etwa regelmäßig mehr als einen Liter Bier oder eine halbe Flasche Wein am Tag trinkt, verkürzt sein Leben um 5 Jahre. Daher gilt die Empfehlung, dass nicht mehr als 1/8l Wein oder 0,2l Bier am Tag getrunken werden sollen. Dann ist die Lebenserwartung nur um etwa ein halbes Jahr verkürzt. Zudem wird angeraten, dass an mindestens zwei Tagen in der Woche ganz auf den Alkohol verzichtet wird. Es zeigt sich also, dass der Alkohol schon in geringen Mengen eine stark schädigende Wirkung entfaltet.

Unterschiedliche Suchttypen

Der Alkoholismus zeigt sich nicht bei allen Personen gleich. Es gibt etwa die Personen, die zwar nicht jeden Tag trinken, aber falls sie erst mal ein Bier intus haben, sich bis zur Besinnungslosigkeit trinken. Auf der anderen Seite gibt es Typen, die eher geringe Mengen zu sich nehmen aber dafür den leicht alkoholisierten Zustand den gesamten Tag über beibehalten. Die Zuordnung der einzelnen Typen ist abhängig vom Trinkverhalten.

Spiegeltrinker

Dem Alkohol werden in geringen Mengen positive Eigenschaften nachgesagt. Ängste lösen sich, Personen werden offener und eine gewisse Nervosität legt sich.

Der Spiegeltrinker möchte sich diese vermeintlich positiven Seiten des Alkohols zu Nutze machen. Er beginnt schon früh am Morgen mit dem ersten Glas Wein und behält über den gesamten Tag einen gewissen Pegel bei. Damit treten erst gar keine Entzugserscheinungen auf und der Alkohol wird als weniger schädlich wahrgenommen. Für Außenstehende ist kaum erkennbar, dass der Spiegeltrinker bereits etwas Alkohol getrunken hat und wirkt relativ normal und gefasst.

Rauschtrinker

Während der Spiegeltrinker sich noch unter Kontrolle hat, ist dies beim Rauschtrinker nicht mehr der Fall. Er trinkt zwar nicht jeden Tag Alkohol und benötigt diesen nicht im Alltag, wurde aber die erste Flasche geöffnet gibt es kein Halten mehr. Er trinkt so lange, bis ein starker Rausch vorliegt und dieser ausgeschlafen wird.

Unter den Alkoholikern nimmt der Rauschtrinker den größten Anteil an. Dieser ist am häufigsten vertreten.

Konflikttrinker

Sorgen und Probleme können den Alltag belasten. Nicht immer werden zufriedenstellende Lösungen gefunden. Um diesen Problemen zu entfliehen, beginnen Konflikttrinker mit dem Konsum des Alkohols. Damit liegt nicht zwangsweise ein ständiges Verlangen nach dem Alkohol vor, dieses Verhalten ist dennoch als Sucht zu bezeichnen. Die Konflikte lassen sich auf diese Weise nicht bewältigen, sondern werden nur schwerwiegender.

Der funktionale Alkoholiker

Funktionaler Alkoholiker - Schnaps
Der funktionale Alkoholiker trinkt auch mal hochprozentiges, versucht aber seine Grenzen nicht zu überschreiten

Wer an Alkoholiker denkt, hat meist ein klares Bild vor Augen. Der Alkoholiker wird in stark berauschtem Zustand mit hochrotem Kopf zusammengesackt an der Theke sitzen oder in einer noch verfänglicheren Position den Abend verbringen.

Doch nicht immer sind Alkoholiker so offensichtlich zu erkennen. Der funktionale Alkoholiker ist in der Lage seine Suchterkrankung gut zu verbergen. Er tut alles daran, den Schein einer heilen Welt nach außen zu tragen und sein Trinkverhalten zu verstecken.

Oftmals üben funktionale Alkoholiker selbst gefährliche oder anspruchsvolle Tätigkeiten weiter aus. Der Alkohol wird insoweit toleriert, als keine offensichtlichen Auswirkungen mehr für Außenstehende zu erkennen sind. Dennoch werden sich langfristig die schädigenden Folgen zeigen und die heile Welt bricht irgendwann zusammen.

Wie erkennst Du einen funktionalen Alkoholiker?

Hast Du den Verdacht, dass ein nahestehender Freund oder ein Familienmitglied ein funktionaler Alkoholiker ist, könntest Du die folgenden Hinweise beachten. Diese könnten eine wichtige Hilfestellung für Dich sein und Dir helfen, das Trinkverhalten des Bekannten besser einzuschätzen. Anhand Deiner Einschätzung könnte es angeraten sein, die Suchtberatung aufzusuchen und die Erkrankung zu behandeln.

Mahlzeiten werden ersetzt

Bei einem gemütlichen Mittagessen mit dem Kollegen verzichtet der funktionale Alkoholiker lieber auf das Essen und begnügt sich ausschließlich mit dem Bier. Kommt dies in Regelmäßigkeit vor, könnte dies auf eine Alkoholsucht hindeuten. Anstatt die Kalorien über das Essen aufzunehmen, wird lieber der Alkohol konsumiert. Das gefährliche hierbei ist, dass eine Mangelernährung auftreten kann.

Kaum Auswirkungen des Alkohols

Für funktionale Alkoholiker besitzt das Bier oder der Wein kaum mehr körperliche Auswirkungen. Die Sprache funktioniert einwandfrei und ansonsten sind keine Anzeichen zu erkennen, dass der Betroffene Alkohol konsumiert hat. Dies könnte bedeuten, dass bereits eine höhere Toleranz entwickelt wurde.

Höheres Aggressionspotential

Normalerweise hat der funktionale Alkoholiker sich gut im Griff. Seine Emotionen hat er unter Kontrolle und sein Verhalten würde nicht als außerhalb der sozialen Norm empfunden werden.

Es kann aber zu Situationen kommen, in der der funktionale Alkoholiker schneller seine Beherrschung verliert. Ein Fußballabend kann etwa komplett aus dem Ruder laufen, wenn die eigene Mannschaft verliert. Oder im Job können die Kollegen schon bei kleinsten Fehlern stärker angegangen werden. Dies sind Warnhinweise einer vorliegenden Alkoholisierung.

Heimlicher Konsum

Während die meisten Alkoholiker nicht abstreiten würden den Alkohol zu trinken, ist der funktionale Alkoholiker sich seiner Sucht meist sehr bewusst. Daher trinkt er im Verborgenen, um erst gar keine Anzeichen einer Alkoholsucht entstehen zu lassen.

Dies kann so weit gehen, dass der Alkohol ausschließlich allein konsumiert wird. Auf Feierlichkeiten bleibt der funktionale Alkoholiker womöglich abstinent, nur um dann in einem unbeobachteten Moment die eigene Schnapsflasche zu leeren.

Verharmlosung

Wird der funktionale Alkoholiker auf seine Verhaltensweisen angesprochen, gerät er in die Defensive. Dem Alkohol werden positive Eigenschaften zugesprochen. Er helfe etwa beim Einschlafen oder würde die Nervosität lindern.

Auf diese Weise möchte der funktionale Alkoholiker sein Weltbild aufrechterhalten. Nach außen wirkt er relativ gefasst und hat alles im Griff, aber ist nur ein Schluck davon entfernt, die Beherrschung zu verlieren.

Fazit

Der funktionale Alkoholiker gehört ebenso zu den Alkoholkranken und darf in keinem Fall verharmlost werden. Er scheint zwar noch ein normales Leben zu führen, doch wird der Alkohol langfristig seine schädigende Seite zeigen.

Nimmst Du die vorgestellten Zeichen wahr, dann biete Deine Unterstützung an und versuche den Betroffenen zur Einsicht zu bewegen, eine professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dann wird der Weg aus dem Alkoholismus gelingen und das Leben ganz ohne dieses Nervengift in die richtige Bahn gelenkt.